{"id":66,"date":"2022-01-15T19:01:21","date_gmt":"2022-01-15T18:01:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schulte.co.at\/?p=66"},"modified":"2022-01-15T19:01:21","modified_gmt":"2022-01-15T18:01:21","slug":"psychotherapie-bei-chronischen-schmerzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schulte.co.at\/?p=66","title":{"rendered":"Psychotherapie bei chronischen Schmerzen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir Schmerzen haben, meldet sich unser K\u00f6rper und nicht die Psyche. Da erscheint es merkw\u00fcrdig, wenn Psychotherapie helfen soll. Zun\u00e4chst wurden Schmerzen immer medizinisch behandelt. Wenn das nicht half und medizinisch kein klarer Befund m\u00f6glich war, konnten sich Patienten wie \u201eeingebildete Kranke\u201c f\u00fchlen. Mittlerweile spricht die Wissenschaft bei chronischen Schmerzen von einem biopsychosozialen Geschehen, dass den K\u00f6rper, die Psyche, aber auch das soziale Leben umfasst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBiopsychosozial\u201c bedeutet, dass psychische, k\u00f6rperliche und soziale Aspekte der Lebenserfahrung nicht nur zusammenh\u00e4ngen, sondern drei Erlebnisebenen eines ganzheitlichen Menschen sind. K\u00f6rperliche Schmerzen haben eine psychische und soziale Dimension, von denen aus das Schmerzerleben beeinflussbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die meisten Menschen kennen das sehr gut aus Stresserfahrungen, deren Dynamik ich hier sehr plakativ darstelle. Es gibt z.B. eine Aufgabe in der Arbeit. Der Mensch erlebt sich hier sozial, als Arbeitnehmer, der eine Aufgabe zu erf\u00fcllen hat. Psychisch stehen damit in Verbindung \u00dcberzeugen wie z.B. \u201ediese Aufgabe muss unbedingt erf\u00fcllt werden, sonst gef\u00e4hrde ich meinen Arbeitsplatz\u201c. Damit in Verbindung stehen die Lebenserfahrungen der Person, die sie mit Leistungserbringung bisher gemacht hat. Auf der k\u00f6rperlichen Ebene bedeutet \u201emuss unbedingt erf\u00fcllt werden\u201c, dass der K\u00f6rper auf die Wahrung seines physiologischen Gleichgewichts verzichtet, um Leistung erbringen zu k\u00f6nnen. Stresshormone werden ausgesch\u00fcttet, der Kreislauf ver\u00e4ndert sich, die Skelettmuskulatur spannt sich an. Wenn sich nun Aufgabe an Aufgabe reiht und die Person nur noch \u201efunktionieren\u201c will oder muss, verliert sie die psychischen und k\u00f6rperlichen Erholungsphasen. Ein chronisches Stresssyndrom bildet sich heraus, dass sich auf der k\u00f6rperlichen, psychischen und sozialen Ebene zeigt. K\u00f6rperlich k\u00f6nnen das Schmerzen sein (aber auch unterschiedliche Gewebesch\u00e4digungen), psychisch ein Gef\u00fchl der Ersch\u00f6pfung und Verlust an Lebensfreude, sozial erscheint die Person angespannt, unfreundlich und wird entsprechend von anderen behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hei\u00dft das jetzt, Arbeit macht krank? Nicht unbedingt. Es h\u00e4ngt von der Einstellung zur Arbeit, der k\u00f6rperlichen und psychischen Belastbarkeit und den Umst\u00e4nden der konkreten Arbeit ab. Da haben wir wieder Psyche, K\u00f6rper, Soziales. Au\u00dferdem kann man ein Stressmuster auch im Privatleben ausbilden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Beispiel zeigt auch, dass die Behandlung an allen drei Aspekten ansetzen kann. Die skizzierte Person k\u00f6nnte den Arbeitsplatz wechseln (sozial), sie k\u00f6nnte sich regelm\u00e4\u00dfig k\u00f6rperlich erholen bei Gymnastik, TaiJi, Yoga usw. (K\u00f6rper). Und sie k\u00f6nnte ihre Einstellung zur eigenen Leistungserbringung \u00fcberpr\u00fcfen und gegebenenfalls ver\u00e4ndern (Psyche).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Beispiel skizzierte einen Stress, der scheinbar von au\u00dfen kommt. Im Grunde geht es da um die Anforderungen, die unsere Art zu leben an den einzelnen stellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau so gibt es aber einen \u201eStress\u201c, der von \u201einnen\u201c kommt. Da sind wir mit unseren k\u00f6rperlichen und psychischen Eigenheiten konfrontiert. Z.B. neigen manche Menschen zu entz\u00fcndlichen Prozessen im Nervensystem (Neuropathien) oder undefinierbaren Schmerzen im Bauch, Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen und vieles mehr. Nat\u00fcrlich gibt es bei diesen Leiden medizinische Hilfen, die wir auch in Anspruch nehmen sollten. Aber sie stellen uns auch vor die Aufgabe besser zu verstehen, was wir brauchen oder wie wir leben m\u00fcssen, um diese Symptome immer seltener zu erleben. Die Symptome sind k\u00f6rperlich beeinflussbar, aber auch durch unsere Art zu denken, zu f\u00fchlen und zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen also mit uns selbst und unserem Umfeld zurechtkommen. Bei dieser Aufgabe gibt uns unser K\u00f6rper unerm\u00fcdlich Hinweise, was uns gut tun k\u00f6nnte. Wenn das nicht gelingt, weil wir die Sprache unseres K\u00f6rpers ignorieren oder nicht verstehen, ist chronischer Schmerz eine m\u00f6gliche Folge. Der K\u00f6rper \u201eschreit\u201c, um wahrgenommen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Psychotherapeutische Schmerztherapie unterst\u00fctzt Patientinnen und Patienten bei der Aufgabe, den K\u00f6rper in seiner Sprache besser zu verstehen. Da K\u00f6rper und Psyche eine Einheit bilden, versteht man nicht nur den eigenen K\u00f6rper sondern sich selbst besser.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir Schmerzen haben, meldet sich unser K\u00f6rper und nicht die Psyche. 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